Psychotherapeutische Praxis Dr. Mag. Juan José RIOS


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Chronische Schmerzen

Arbeitsschwerpunkte > Psychosomatische Krankheiten

Chronische Schmerzen



Wichtig ist die Unterscheidung zwischen akuten und chronischen Schmerzen.



Akuter Schmerz:
Bei akuten Schmerzen liegt dem Schmerz (meist) eine schmerzauslösende Ursache zugrunde, z. B. eine Verletzung oder eine körperliche Erkrankung. Hier dienen die Schmerzen als eine Art Alarmsignal, das dem Menschen eine Gefährdung signalisiert. Bei akuter äußerer Gefährdung führt dies Sinnvollerweise auch sofort zu einem Verhaltensimpuls, um sich z. B. in Sicherheit zu bringen. Fasst man beispielsweise versehentlich an eine heiße Herdplatte, so führt der unmittelbar einschießende Schmerz-Reiz zu einem reflexhaften Zurückziehen der Hand, um weitere Verbrennungen zu vermeiden.

Anschließend sorgt der Schmerz dafür, dass sich um die betroffene Hand gekümmert wird, also am besten sofortige ausgiebige Kühlung und später eventuell ein Verband mit einer entsprechenden Heilsalbe. Hier erfüllt der Schmerz also eine äußerst wichtige und sinnvolle Funktion. Ähnlich ist es bei körperlichen Erkrankungen, wo Schmerzen uns signalisieren, dass etwas in unserem Körper nicht in Ordnung ist und wir uns darum kümmern müssen, was z. B. zu einem Schutz- und Schonverhalten führt. Führen entsprechende Maßnahmen und Verhaltensänderungen zu einer Beseitigung der schmerzauslösenden Ursache, so klingt der Schmerz in absehbarer Zeit, d. h. nach Sekunden bis zu mehreren Wochen, wieder ab.


Chronische Schmerzen:
Während bei akuten Schmerzen die Schmerzen als Symptom einer ihnen zugrundeliegenden Erkrankung verstanden werden können, hat sich bei chronischen Schmerzen der Schmerz von einer möglichen Grunderkrankung quasi abgekoppelt und verselbstständigt. Hier kann er dann nicht mehr als Symptom aufgefasst werden, sondern als eigenständiges Krankheitsbild. Man spricht dann von einer eigenständigen Schmerzerkrankung, Schmerzstörung oder Schmerzkrankheit.

Formen und Ursachen der Schmerzen:
Eine Möglichkeit besteht darin, dass sich die schmerzauslösende Ursache nicht heilen lässt und hierdurch ständig Schmerzen erzeugt werden wie z. B. bei chronisch entzündlichen Erkrankungen (z. B. Rheuma) oder Krebserkrankungen.

Eine weitere Möglichkeit für die Entstehung von chronischen Schmerzen liegt darin, dass es zwar ursprünglich eine auslösende Ursache gegeben hat, sich die Schmerzsymptomatik durch verschiedene Einflüsse jedoch verselbstständigt hat. Hierbei können eine nicht ausreichende akute Schmerzmedikation, unnatürliche unphysiologische Schonhaltungen, die ihrerseits zum Schmerz führen, weiterhin mit der Erkrankung verbundene Ängste und auch sonstiger psychischer Stress und vieles andere mehr eine wichtige Rolle spielen.

Weiterhin kann die Ursache für den Schmerz nicht im körperlichen, sondern im psychischen Bereich liegen („Das tut mir in der Seele weh!“). Hierbei gilt es jedoch, ein großes und weit verbreitetes Missverständnis zu klären. Die oben angeführten Beispiele zur Entstehung von Schmerzen suggerieren, dass es eine Trennung zwischen körperlichen und seelischen (psychischen) Schmerzen gibt.

Dies ist jedoch nicht der Fall! Grundsätzlich gilt, dass bei jedem Schmerz, insbesondere aber bei der chronischen Schmerzen, unabhängig von der auslösenden Ursache, das Schmerzerleben der Betroffenen sich immer aus körperlichen (somatischen) und seelischen (psychischen) Anteilen zusammensetzt.

Die Einteilung in körperlich begründete („somatischen“) und seelisch begründeten („funktionellen“, „psychogenen“) Schmerzen sind also irreführend und führt bei den Betroffenen häufig zu unnötigem Leid, da sie sich nicht verstanden und vielleicht sogar als Simulanten hingestellt fühlen.

Da ein Schmerz nicht „objektiv“ gemessen werden kann, können nur die Betroffenen selbst entscheiden, ob sie Schmerzen haben und wie stark diese sind. Schmerzen sind daher immer echt, völlig unabhängig von ihrer Ursache!

Generell liegt ja dem Konzept der „Psychosomatik“ eine ganzheitliche Sichtweise zugrunde, dass – wie oben ausgeführt – die Trennung zwischen Körper („Soma“) und Seele (Psyche) eine künstliche ist. Dies lässt sich besonders an dem Phänomen „Schmerz“ beobachten. Schon lange weiß man, dass das Schmerzerleben ein subjektives individuelles Erleben ist. Dass also z. B. zwei Menschen die gleiche Verletzung haben und dennoch ihren Schmerz an Ausmaß und Intensität völlig unterschiedlich erleben können. Dies hängt damit zusammen, dass unsere Schmerzempfindung im Gehirn entsteht. Schmerzreize aus dem Körper werden über entsprechende Nervenbahnen ins Gehirn geleitet, wo sie einer komplexen Verarbeitung unterliegen, von der abhängt, wie wir diesen Schmerz dann empfinden. Hierbei spielen eben auch seelische Einflüsse, unsere Gefühle, unsere Gedanken und auch unser Verhalten, eine große Rolle.

Beispielsweise kann durch verschiedene Behandlungsversuche, die zu keiner durchgreifenden Verbesserung der Schmerzsymptomatik geführt haben, ein Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit entstehen, dem Schmerz ausgeliefert zu sein, nichts gegen ihn ausrichten zu können. Dies kann zu einer depressiven Entwicklung führen verbunden mit einem Gefühl der Hoffnungslosigkeit und mit sozialem Rückzug.

Die Schmerzproblematik rückt für die Betroffenen zunehmend in den Vordergrund, was die Schmerzen wiederum immer mehr verstärkt. Sie fühlen sich von Mitmenschen nicht mehr verstanden und ziehen sich noch weiter zurück, was die depressive Symptomatik und die Schmerzen erneut verstärkt. Der Teufelskreis ist geschlossen!

Welche Schmerzen werden unterschieden?
· akute Schmerzen
· akutes Schmerzsyndrom
· akute Schmerzstörung
· chronische Schmerzen
· chronisches Schmerzsyndrom
· chronische Schmerzstörung
· somatoforme Schmerzstörung
· funktionelle Schmerzen
· funktionelles Schmerzsyndrom
· funktionelle Schmerzstörung
· psychogene Schmerzen
· psychogenes Schmerzsyndrom
· psychogene Schmerzstörung
· „Fibromyalgiesyndrom“
· chronischer Spannungskopfschmerz
· chronische Migräne

Was kann man tun?
In der akuten Schmerzphase ist es zunächst einmal natürlich wichtig, den Auslöser, die Ursache der Schmerzen herauszufinden. Hier ist also z. B. eine ärztliche Untersuchung erforderlich, um die verursachende Quelle der Schmerzsymptomatik zu erkennen und zielgerichtet behandeln zu können. Weiterhin ist dabei eine wirksame Behandlung der Schmerzen dringend erforderlich. Beispielsweise bei einer akuten Lumboischialgie („Hexenschuss“) nehmen wir automatisch eine körperliche Schonhaltung ein, um möglichst Schmerzen zu vermeiden. Dies führt jedoch zu einseitigen Verspannungen der Muskeln, die den Körper dann in dieser falschen Haltung fixieren. Diese fixierte Fehlhaltung führt jedoch selber zu Schmerzen und die Entwicklung eines chronischen Schmerz ist eingeleitet.

Insofern ist in diesen Fällen die Einnahme von stärkeren Schmerzmitteln über einen kurzen Zeitraum sinnvoll, um möglichst schmerzfrei zu sein und die Ausbildung solcher Fehlhaltungen zu vermeiden. Weiterhin erlaubt die (relative) Schmerzfreiheit das Gefühl, nicht vom Schmerz beherrscht zu werden. Eine zu vorsichtige und zögerliche Dosierung der Schmerzmittel ist in dieser Akutphase eher ungünstig. Die Betroffenen sind nicht wirklich schmerzfrei, so dass sich eben die beschriebenen Fehlhaltungen ausbilden. Weiterhin wächst ein Gefühl, die Schmerzen nicht im Griff zu haben, sondern ihnen eher ausgeliefert zu sein, von ihnen beherrscht zu werden, was das subjektive Schmerzempfinden noch verstärkt. Hierdurch entwickelt sich dann das Bedürfnis, immer länger Schmerzmittel einzunehmen und hier droht die große Gefahr der Suchtentwicklung.

Insofern ist auch der Ratschlag, sich in einer solchen Situation möglichst vollständig zu schonen und sich nur ins Bett zu legen zwar sicher gut gemeint, aber nicht wirklich hilfreich. Wichtig ist vielmehr ein aktiver Umgang mit den Schmerzen und der körperlichen Beweglichkeit. Vorsichtige und achtsame Beweglichkeit unter durch Schmerzmittel erreichter Schmerzfreiheit fördern die Rückbildung der (Schmerz-) Symptomatik und eine baldige Heilung. Keinesfalls bedeutet dies aber, in einer solchen akuten Phase ständig die Schmerzgrenzen austesten und möglichst überschreiten zu wollen, da sich hierdurch die Schmerzen reflektorisch nur verstärken und zu einer Verschlimmerung der Beschwerden führen. Haben sich dennoch chronische Schmerzen, eine Schmerzerkrankung entwickelt, reichen häufig ambulante Maßnahmen nicht mehr aus und eine stationäre Behandlung in einer entsprechenden Fachklinik ist erforderlich.

Hypnotherapie: Hypnose ist das älteste schmerzpsychotherapeutische Verfahren mit der weitesten Anwendungsmöglichkeit. In Trance kann sowohl die Schmerzwahrnehmung und die damit verbundenen Gedanken und Gefühle verändert ( symptomorientierte Hypnose) als auch schmerzmitbedingende innere Konflikte bearbeitet (konfliktbearbeitende Hypnose) werden .



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